Montag, 14. September 2009

Der Zahnarzt

"Es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir den Duisburger Zahnarzt nicht auftreiben könnten, bei dem der Tote in Behandlung war." Mit diesen Worten drückt Pitt Harry ein Branchentelefonbuch in die Hand und weist auf das Telefon. " Mach Du A bis K und ich ich fange bei L an und mache den Rest" Noch schnell einen Kaffee neben das Telefon gestellt und dann geht es los. Einen Zahnarzt nach dem anderen rufen die beiden an und fragen jeweils nach dem Patienten Rudolf Felix Moser.
Nach gut drei Stunden strammens Telefonierens hat Harry Erfolg. Im Norden von Duisburg, im Ortsteil Walsum, ist er fündig geworden. An der Theodor-Heuss-Straße findet sich mit Dr. med dent Brettschneider ein Zahnarzt, der einen Patienten namens Rudolf Felix Moser in Behandlung hat. Pitt greift sich ein Foto des Toten und kurz darauf sind die Beiden unterwegs nach Walsum. Nach knapp 20 Minuten treffen Sie vor der Praxis ein und nach weiteren fünf Minuten haben sie einen Parkplatz gefunden und sind auf dem Weg in die Praxis.
Die bereits etwas ältere Sprechstundenhilfe bittet die Beamten in das Sprechzimmer des Dentisten und bittet noch um ein Wenig Geduld, da Dr. Brettschneider zur Zeit mitten in einer Wurzelbehandlung steckt. Das Geräusch des Bohrers ist durch die Tür zum Behandlungsraum deutlich zu hören.
"Dieses Geräusch geht durch Mark und Bein, da kriege ich schon von Zuhören Zahnschmerzen" meint Harry.
Nach zirka 10 Minuten öffnet sich die Tür und Dr. Brettschneider betritt den Raum. Eine drahtige Figur in weissen Jeans und einem dunkelblauen Polohemd lassen den Zahnarzt eher wie einen Tennisspieler wirken. Seine sonnenbräunten Arme und das genauso gebräunte Gesicht lassen erkennen, dass Dr. Brettschneider viel Zeit auf dem Tennis- oder Golfplatz verbringt. Den Mundschutz, den er noch vor dem Gesicht trägt, nimmt er ab, bevor er sich die Hände waschen geht, um anschließend Pitt und Harry mit einem kräftigen Händedruck zu begrüßen. " Nun, meine Herren, meine Sprechstundehilfe sagt, dass sie von der Mordkommission sind und einen meiner Patienten suchen?"
"Es stimmt, wir sind von der Mordkommission, ich bin Hauptkommissar Brett und das ist men Kollege Kommissar Nagel. Allerdings suchen wir keinen Ihrer Patienten, ich glaube vielmehr, dass wir ihn haben und zwar den Herrn Rudolf Felix Moser. Der ist tot und wir wollen wissen, ob er Ihr Patient war." Harry nickt und reicht den Zahnarzt das Bild des Toten über den Tisch. Pitt fragt, ob der Tote auf den Bild Dr. Brettschneiders Patient war. Dr. Brettschneider drückt eine Taste an seinem Telefon und spricht in das Gerät. "Susi, komm mal rein, ich brauche Deine Hilfe." Die Tür offnet sich und eine blonde, junge Frau betritt den Raum. Auch sie trägt weisse Jeans und ein dunkelblaues Poloshirt und ist durch einen Aufdruck auf dem Shirt als Mitarbeiterein der Praxis zu erkennen. Sie dürfte etwa Mitte 20 sein, trägt ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und hat ein fröhliches, fast frech wirkendes Gesicht mit Sommersprossen. Das Namensschild mit dem Namen "Susi Sommer" passt zu dem Aussehnen und der dezente Duft eines guten Parfums liegt in der Luft.
Ihr Chef legt ihr das Foto vor. "Sag mal Susi, ist das unser Patient Moser?" - "Das könnte er sein, der sah halt nur nicht so krank aus, wenn er hier war" Die Sprechstundenhilfe begutachtet das Bild und lächelt den Polizisten zu. Harry ertappt sich dabei, wie er zurücklächelt und im Geiste schon Pläne für ein gemeinsames Abendessen macht. "Danke, Fräulein Sommer. Und wenn Ihnen noch etwas einfällt, dann rufen Sie mich an." Mit diesen Worten drückt Harry ihr lächelnd seine Visitenkarte in die Hand. Die Sprechstundenhilfe verlässt das Sprechzimmer. "Ach Susi, bring mir doch noch die Akte" ruft der Dentist hinterher.
"Ja, auch die Susi hat ihn erkannt, ich war mir nicht so sicher, aber er scheint es gewesen zu sein. Ich lasse mir die Akte kommen und da ist auch ein Röntgenbild drin, vielleicht hilft Ihnen das ja weiter."
Pitt erzählt den Arzt, dass dem Toten alle Zähne herausgebrochen wurden. Dr. Brettschneider verwundert das nicht, Mosers Gebiss bestand durchweg aus fest implanierten Goldzähnen und die stellen ja schon einen Wert da.
Fräulein Sommer betritt den Raum und legt die Krankenakte auf den Tisch. Sie lächelt Harry zu und verlässt den Raum wieder."Das ist aber eine süsse Maus", flüstert Harry Pitt ins Ohr.
Auf die Frage, was mit Mosers Zähnen war, blättert der Arzt die Akte durch und blickt Pitt dann an. "Nichts, alles nur Routine, also keine Besonderheit. Auf dem Röntgenbild ist ein Backenzahn zwar dunkler als die anderen dargestellt, aber das hat laut Dr. Brettschneider keine Bedeutung. Pitt bittet den Zahnarzt um das Bild und die beiden Beamten fahren schnellstmöglich in die Pathologie. Dort geben sie das Bild ab.
Kaum im Büro angekommen, geht das Telefon. Kurt Pflümli aus Zürich ist dran und fragt nach den Stand der Ermittlungen. Pitt macht Kurt mit den neuesten Erkenntnissen vertraut und fragt seinerseits, ob es Neuigkeiten in der Schweiz gibt.
"Wir, das heisst die Monika Marty, hat in der Nasszelle von dem Zimmer, in dem Moser zuletzt war, als er im Berner Oberland war, zwei kleine Mikrokapseln gefunden, Zuerst haben wir die für Sandkörner gehalten, aber unter dem Mikroskop hat Monika herausgefunden, dass man die aufschrauben kann und das sie einen kleinen Hohlraum enthalten. So für einen Mikrosender oder einen Mikrofilm. Was meint ihr, wofür die sein könnten?"
"Schwing Dich mal in den nächsten Flieger nach Duisburg, Kurt, die Dinger wollen wir hier sehen." Mit diesen Worten beendet Pitt das Gespräch und wendet sich an Harry. Meinst Du, solche Kapseln könnte der Moser in den Zähnen gehabt haben? Und wir mitten in einer Spionagegeschichte hängen? Ich rufe den Zahnarzt noch einmal an und frage, ob Mosers Zähne dafür geeignet waren, besonders der dunkele....."
"Pitt, lass mich das machen", bittet Harry "Vielleicht habe ich ja die Süsse Blonde dran ubnd kann mich mit ihr zum Abendessen verabreden." Als Pitt Harry fragend anschaut, ergänzt er:" Nicht, was Du denkst! Ich will nur rausfinden, ob ihr Chef in der Geschichte mit drinhängt! Ehrlich, rein dienstlich!"
" Na, ruf schon an, alter Schwerenöter"

Hängt der Zahnarzt mit drin?
Was sind das für Kapseln?
Wieviele Sommersprossen sind in Susis Gesicht?

Dienstag, 8. September 2009

Zahn um Zahn?

Als sie vor der Leichenhalle stehen, ergreift Gabriela das Wort als Erste: „Es ist schon eigenartig,“ sinniert sie mehr zu sich selbst als zu Pitt und Harry, „ich kann mich gar nicht richtig daran erinnern, dass der Tote da drin irgendwie mein Vater gewesen sein soll. Für mich war er immer ein karrieregeiler Typ, der bei uns zu Hause gegessen und übernachtet hat, und sonst nichts. Es drehte sich immer nur alles ums Geschäft, und wie man mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Ertrag erwirtschaftet.“ Gabriela schlendert bei diesen Worten ziellos vor sich her, flankiert von den beiden Polizisten. „Ich habe ihn nie als fürsorglichen Vater erlebt, der Interesse an mir und meinem Werdegang zeigte, der nie mit mir gespielt hat oder nie die Hausaufgaben mit mir zusammen gelöst hat. Es war mir, als sei ich Luft für ihn gewesen. Ich hatte den viel engeren und freundschaftlicheren Kontakt mit den Hausangestellten, vor allem, nachdem meine Mutter gestorben ist, als ich noch ein Kind war.“ Bei der Erinnerung an ihre Mutter bleibt Gabriela stehen, um sich die Tränen aus den Augen zu wischen. „Ich bin heute noch überzeugt davon, dass mein Vater schuld ist am frühen Tod von Mama.“

„Wie kommst du denn auf die Idee?“ fragt Pitt mit einem besorgten Blick.

„Ich weiss auch nicht genau,“ antwortet Gabriela frustriert, „es ist die Art, wie er ihren Tod zur Kenntnis nahm, etwa so, wie wenn er dem Personalchef gesagt hätte, dass er zwei Angestellte entlassen musste. So etwas liess ihn auch immer völlig kalt. Der Mensch und sein persönliches Schicksal interessierten ihn überhaupt nicht.“ Während Gabriela redete, steigerte sie sich langsam in eine unbändige Wut hinein. Ihre Stimme wurde mit jedem Satz lauter. „Er sah nur den Profit. Dafür ging er sogar über Leichen. Wegen ungenügender Schutzvorrichtungen an einem der Hochöfen kam es vor Jahren zu einem Unfall, bei dem drei Arbeiter ihre Arme und das Augenlicht verloren, weil flüssiger Stahl auf sie gespritzt ist. Das Ganze wurde mit Schmiergeld vertuscht, da die drei Arbeiter auch noch schwarz in der Firma arbeiteten, weil sie keine Niederlassungsbewilligung hatten. Es dauerte keine Woche, und die drei waren nur notdürftig medizinisch versorgt schon in ihre Herkunftsländer abgeschoben.“ In ihrer Erregung schreit Gabriela den letzten Satz beinahe. Mit verschwitztem Gesicht betrachtet sie Pitt und Harry, die vor ihr stehen. Pitt macht einen Schritt auf sie zu und nimmt sie tröstend in den Arm. Dort verliert sie endgültig ihre bisher erfolgreiche Selbstbeherrschung und beginnt bitterlich zu weinen.


Nach wenigen Minuten löst sie sich langsam von Pitt und schneuzt sich in das ihr von Harry gereichte Taschentuch.

„Geht es wieder ein wenig besser?“ fragt Pitt besorgt, „Sollen wir dich nach Hause bringen?“

„Nein, ist schon gut, es geht wieder,“ erwidert Gabriela mit einem Kopfschütteln, „was soll ich denn jetzt dort? Allein?“ Sie fährt sich mit dem Handrücken über die Nase und wischt die letzten Spuren der Tränen mit dem Taschentuch ab. „Ich bleibe lieber bei euch beiden.“

„Ist mir ehrlich gesagt auch lieber,“ meint Pitt. Er blickt zu Harry und fragt: „Was meinst du? Wie weiter jetzt?“

„Gute Frage,“ antwortet Harry gedehnt. „wir haben einen Entführer, der ums Verrecken nicht reden will, mit oder für wen er arbeitet. Und nun haben wir auch noch einen Hauptverdächtigen auf ziemlich brutale Art und Weise verloren. Der Moser wird bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Aber wozu werden ihm sogar die Zähne ausgerissen, wenn ein paar Meter weiter seine Brieftasche liegt mit mehreren hundert Euro und all seinen Ausweisen.“ Mit jeder Aufzählung hält Harry einen weiteren Finger seiner Hand in die Höhe. „Und der Schreiner behauptet, von dem Moser noch nie etwas gehört zu haben und macht gleichzeitig mit der Isabella Säger rum die wir schon zusammen mit dem Moser beobachtet haben.“ Harry Gesicht zeigt die Resignation nur zu deutlich.


Plötzlich verändern sich die Gesichtszüge von Gabriela und bekommen ein hartes, konzentriertes Aussehen. Sie beginnt langsam auf dem Bürgersteig hin und her zu gehen.


„Was ist los?“ fragt Harry.

„Lass mich ein wenig nachdenken,“ antwortet ihm Gabriela, „jetzt wo Harry etwas über die Zähne meines Vaters erwähnt hat, ist es mir, als sei mir etwas in den Sinn gekommen, das ich vor langer Zeit einmal gehört habe.“ Sie bleibt stehen. Ihr Blick schweift in die Ferne, weit weg in die Vergangenheit zu jenem besonderen Ereignis. „Ich kann mich schwach daran erinnern, dass mein Vater einmal Besuch zu Hause hatte. Geschäftlich natürlich. Da ich ihn so selten sah, horchte ich, neugierig wie ich nun mal war, an der Türe, die nur angelehnt war. So hatte ich wenigstens das Gefühl, etwas Zeit mit ihm zusammen zu verbringen.“ Die Augen von ihr sehen die Situation von damals genau vor sich, wie sie ganz vorsichtig die Türe etwas weiter öffnete, um ihren Vater zu sehen. Er sass in einem grossen Sessel, die Beine übereinander geschlagen, ihm gegenüber zwei Männer auf dem Sofa, die Gabriela aber von ihrer Position aus nicht richtig sehen konnte. „Was mir jetzt in einem völlig neuen und anderen Licht erscheint, ist eine Handbewegung und der dazu gesprochene Satz meines Vaters.“

„Jetzt bin ich aber gespannt,“ flüstert Pitt. Auch Harry hat sich näher an Gabriela gestellt, um nichts Wichtiges zu verpassen.


„Mein Vater hat an diesem Abend zu den beiden Typen gesagt: „Die Lieferung erfolgt wie immer absolut sicher und diskret“ und hat sich dann mit dem Zeigefinger gegen seine zusammen gebissenen Zähne geklopft.“

Pitt und Harry sehen zuerst sich und dann Gabriela fragend an.

„Ich dachte bis jetzt ja auch, dass das irgend so eine verrückte Marotte von meinem Vater war, vielleicht weil sie Glück bringen sollte oder so was in der Art. Vielleicht haltet ihr mich jetzt für völlig durchgeknallt. Aber was ich bis heute nie ganz begriffen habe war die Tatsache, dass mein Vater schon in jungen Jahren alle seine Zähne durch Goldene hat ersetzen lassen.“

„Ich glaube, ich weiss langsam, worauf du hinaus willst,“ sagt Harry zu Gabriela, „warum sollte man sich gesunde Zähne durch künstliche ersetzen lassen, ohne dass eine bestimmte Absicht dahinter steckt.“

„Richtig,“ ereifert sich Gabriela, „vor allem, wenn man weiss, dass mein Vater nichts gemacht hat, ohne dabei einen grossen Vorteil zu erringen.“

Harry, mittlerweile schon ziemlich genervt, unterbricht die beiden ziemlich harsch. „Hätte einer von euch beiden vielleicht die Güte, mir mit einfachen Worten zu erklären, woher euer plötzlicher Aktionismus herrührt? Ich verstehe hier nur Bahnhof.“


Gabriela stellt sich vor Harry und beginnt zu erklären: „Schau mal, mein Vater kam von der Schule und absolvierte eine Lehre als Bürogummi in einem Reisebüro. Danach arbeitete er ein paar Jahre als Aussendienstmitarbeiter in einer Firma, deren Name ich nicht mehr weiss. Dabei reiste er kreuz und quer über den Globus und lernte so die Welt und nebenbei auch noch meine Mutter kennen. Kurz darauf war auch ich schon unterwegs. Da wurde mein Vater sesshaft und begann bei der RUAG zu arbeiten. Diese Firma stellt verschiedene Waffen und Systeme für die Schweizer Armee her und entwickelt auch Neuheiten und Technologien, die teilweise auch ins Ausland verkauft werden. Wenige Jahre danach kam dann der plötzliche Wechsel zu der Eisenhütten AG in Duisburg, die damals finanziell nicht so rosig da stand. Und wie durch ein Wunder schaffte es mein Vater, diese Firma wieder in die schwarzen Zahlen zu manövrieren.“

Harry schüttelt den Kopf und meint: „Das ist ja eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch, nur sehe ich bis jetzt nicht, was das Ganze mit den Zähnen von ihm zu tun hat.“

Gabriela legt Harry beruhigend die Hand auf den Arm und erklärt: „Was mir komischerweise erst jetzt auffällt, ist die Tatsache, wie es ein einfacher Angestellter in der Schweiz schafft, einfach so eine ganze Fabrik in Duisburg übernehmen zu können, ohne dass er im Lotto gewonnen oder die Firma vererbt bekommen hätte.“

Pitt macht ein fragendes Gesicht, als er Gabriela anspricht: Wie ist er denn deiner Meinung nach dort rein gerutscht? Mit Beziehungen oder mit unlauteren Methoden?“

„Das ist genau das, was ich mich jetzt auch frage,“ antwortet Gabriela. „Ihr wart doch auf der Suche nach einem Mikrofilm, oder?“ Pitt und Harry nicken eifrig. „Was wäre, wenn die Zähne dazu gebraucht wurden, um so einen Mikrofilm zu schmuggeln?“

Pitt schlägt sich mit der flachen Hand laut klatschend gegen die Stirn. „Das wäre genial, kein Zöllner der Welt käme auf die Idee, in den Zähnen eines Reisenden nach Schmuggelware zu suchen.“

„In den Zähnen?“ fragt Harry ungläubig. „So was soll funktionieren?“

„Wieso nicht?“ entgegnet Pitt, der es plötzlich eilig hat und ganz kribbelig Gabriela fragt: „Die Zähne hat er sich in Ungarn machen lassen, stimmt das?“

„Ja.“ antwortet sie nach kurzem Überlegen.

„Aber ab und zu richten oder reinigen oder sonst was hat er wo machen lassen? Auch in Ungarn?“

„Ich glaube nicht.“ Gabriela starrt angestrengt in den Himmel und sagt: „Ich bin der Meinung, ich habe mal etwas von einem Zahnarzt hier in Duisburg gehört, aber ich habe keine Ahnung wie der heisst.“

„Das ist scheissegal,“ antwortet Pitt und zieht die beiden in Richtung Parkplatz, wo ihr Dienstwagen steht, „wir fahren ins Büro und rufen alle Zahnärzte an. Einer muss es dann ja wohl sein. Und dem Typen fühlen wir dann gehörig auf den Zahn.“

„Aber er hat ja nichts Verbotenes gemacht, falls er die Zähne gerichtet hat,“ meint Harry beim Gehen.

„Das nicht, aber er hat sicher Unterlagen wie Bilder, Zeichnungen oder Röntgenaufnahmen auf denen wir sehen, ob es irgendwo einen Hohlraum hat, der die Theorie von Gabriela unterstützt oder zunichte macht.“


Beim Wagen angekommen, zeigt sich seit langem wieder einmal ein optimistisches Lächeln auf Pitt's Gesicht.


Finden sie den Zahnarzt?

Stimmt Gabrielas Theorie?

Und wenn ja, was war auf den Mikrofilmen?

Donnerstag, 27. August 2009

Die Obduktionshalle

Was soll´s denkt Pitt und geht ins Büro zurück. Ohne ein Wort gibt er Harry die Brieftasche und greift zum Telefon. Langsam tippt er die Nummer von Gabriela ein. Was hast Du vor fragt Harry und drückt die Gabel des Telefons runter. Warte doch erst mal ab ob es wirklich Moser ist, auf zwei drei Stunden kommt es auch nicht an. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen das Moser tot ist. Entweder sind die Papiere gefälscht, oder dem Toten untergejubelt worden. Und wie bitteschön sollen wir das herausfinden? Etwa zu Schreiner gehen? Hmmm, warum nicht antwortet Harry, vielleicht verrät er sich.

Beide machen sich auf den Weg in Schreiners Büro. Ohne zu klopfen öffnet Harry die Tür, läßt Pitt den Vortritt und schaut verdutzt auf das sich ihm darbietende Szenario. Ihr Boss und die Sekretärin stehen engumschlungen hinter dem Schreibtisch. „An der Technik müssen sie aber noch ein wenig feilen“ kommentiert Pitt die Szene. „Raus hier“ brüllt Schreiner „das sie vom Land kommen wissen wir, aber daß sie im Schweinestall groß geworden sind war mir nicht bekannt“ Tschuldigung Chef, aber wir haben hier etwas von Bedeutung sagt Pitt und legt die Breiftasche auf den Schreibtisch. Wiederwillig nimmt Schreiner die Brieftasche in die Hand öffnet Sie und nimmt den Ausweis raus. Was soll ich damit? Den Typen kenn ich nicht. Harry antwortet, der Typ ist tot, den haben sie aus dem Rhein gefischt und er ist der Aufsichtsratvorsitzende der Duisburger Eisenhütten AG. Nehmen sie den Plunder wieder mit und kommen sie mir erst wieder unter die Augen, wenn sie was greifbares haben. Und jetzt raus hier. Pitt und Harry verlassen schweigsam das Zimmer und gehen zurück in ihr Büro. Beide gehen ihren Gedanken nach. Nach geraumer Zeit greift Pitt wieder zum Telefon und wählt Gabrielas Nummer.

Hast Du Zeit fragt Pitt, Klar doch, für Dich immer antwortet Gabriela. Gut brummt Pitt, dann komme ich gleich mit Harry vorbei. Verdutzt schaut Harry auf und sieht Pitt grimmig an. Unangenehme Sachen machst Du nie alleine, immer muß ich mit. Halts Maul und pack Deine Sachen. Wieder klingelt Pitt´s Telefon und der Pathologe erklärt ihm, daß auch die Pulsadern aufgeschnitten seien. Der Kerl muß fürchterlich gelitten haben.

Wie lange mag es wohl gedauert haben bis er tot war fragt Harry. Kommt drauf an, wie man es sieht, ein Leben lang, eine Ewigkeit oder eben halt die Zeit von Beginn der Folterung bis zum Exitus. Keine Ahnung, antwortet Pitt, aber wenn ich den Kerl in die Finger kriege, hat er nichts zu lachen. Woher weißt Du, das es ein er ist, den Genus kennen wir doch gar nicht. Pitt antwortet gereizt, Erstens heißt es das Genus und zweitens das Geschlecht. Häh, Harry schaut Pitt ratlos an.
Genus ist ein Begriff aus der Linguistik und bezieht sich darauf, ob ein Wort maskulin oder feminin geraucht wird erklärt Pitt. Das Geschlecht bezeichnet den biologischen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Organismen.

Danke für die Grammatikstunde murmelt Harry, vielleicht hilft sie mir ja weiter, sollte ich jemals Kandidat bei Jauch werden. Gibt es eigenlich noch mehr Leichen? Noch nicht, aber die Küstenwache sucht danach

Endlich erreichen sie Gabrielas Wohnung und klingeln an der Tür. Freudestrahlend öffnet sie Ihnen, fällt Pitt um den Hals und drückt Harry einen freundschaftlichen Kuß auf die Wange. Während Harry knallrot anläuft, bugsiert Pitt Gabriela ins Wohnzimmer zur Couch. Was ist los fragt sie. Pitt legt die Brieftasche auf den Tisch. Stirnrunzelnd nimmt Gabriela sie in die Hand, öffnet sie und nimmt die Papiere raus. Fragend schaut sie die Beiden an. Wie kommt Ihr daran? Pitt antwortet leise, Die Brieftasche wurde gestern bei einer Leiche gefunden, die die Polizei gestern aus dem Rhein geholt hat, Leider ist die Leiche so entstellt, daß wir noch nicht sicher sein können ob es wirklich Dein Vater ist. Gibt es irgendwelche Merkmale, an denen wir feststellen können ob es Dein Vater ist, denn den Anblick möchte ich Dir ersparen. Kreidebleich antwortet Gabriela, eigentlich nicht. Viele Narben auf der Brust, die im Krieg durch eine Granate verursacht wurden.

Scheiße, entfährt es Harry, damit ist uns nicht geholfen, denn der Tote wurde gradezu durch Kugeln durchlöchert. Du wirst wohl doch mitkommen müssen, denn auch die Zähne helfen nicht weiter, die wurden komplett, hmmm…gezogen. Kein Wunder antwortet Gabriela, die waren komplett aus Gold, hat er damals in Ungarn machen lassen.

Doch, ist schon seltsam meint Pitt. Über Tausend Euro in der Brieftasche, aber die Zähne klauen, das passt nicht zusammen und der ganze Aufwand die Leiche unkenntlich zu machen passt auch nicht. Komm, zieh Dir was über, wir müssen zur Pathologie.

Nach einer schweigsamen Fahrt kommen sie an. Pitt und Harry nehmen Gabriela in die Mitte und führen sie zum Obduktionsraum. Der Pathologe führt sie zum Tisch der Leiche . Nimmt das Tuch weg. Gabriela schreit auf und wäre zusammengebrochen wenn Pitt und Harry sie nicht gehalten hätten. Er ist es murmelt Gabriela. Er ist es wiederholt sie und fängt an zu weinen. Er war zwar ein Teufel, aber immerhin noch mein Vater schluchzt sie.

Der Pathologe winkt Harry zu sich und deutet mit der Hand an, daß Pitt mit Gabriela den Raum verlassen sollen.
Man kann auf schrecklicher Weise sein Leben verlieren, ich habe schon viel gesehen, aber das hier, das setzt allem die Krone auf. Der Mann ist stückchenweise gestorben. Er war mit Sicherheit schon tot als sie die Bleigewichte eingesetzt haben und mit Sicherheit war der Täter einer, der sich mit dem Menschen auskennt. Bis auf den aufgeschnittenen Pulsadern war jede körperliche Einwirkung höllisch schmerzhaft, aber ohne lebensbedrohlich zu sein. Der Täter wußte genau was er macht. Ich habe den Eindruck, er ist medizinisch geschult worden oder hat zumindest unter medizinischer Aufsicht gehandelt und irgendwas wollten sie vertuschen. Irgend etwas kommt mir an der Sache bekannt vor, kann aber jetzt beim besten Willen nicht sagen was. Es gab schon einmal ein Mord in dieser Art, da bin ich mir sicher, nicht hier bei uns, woanders, ich melde mich sofort, wenn ich mehr weiß.

Nachdenklich geht Harry zu den Beiden und winkt sie nach draußen.

Kann der Gefangene aus der Lagerhalle weiterhelfen?
Kann überhaupt jemand weiterhelfen?

Sonntag, 9. August 2009

Bei der Wasserschutzpolizei

Mit einem Streifenwagen bringt Pitt Gabriela nach Hause und stellt ihr einen uniformierten Beamten als Wächter vor die Tür. Der Mann war jahrelang Trainer im Polizeisportverein und trainierte dort den Nachwuchs in Judo und Karate. Außerdem hatte er über viel e Jahre den Titel „Deutscher Polizeimeister“ im Pistole schießen inne. „Und pass mir gut auf Gabriela auf,“ sagt Pitt zu dem Beamten, Polizeikommissar Wolters, als er sich zusammen mit Harry auf den Weg ins Präsidium macht.

Auf dem Weg ins Büro begegnen die beiden Beamten der Sekretärin ihres Chefs. Isabella Säger trägt wieder ihr hochgeschlossenes Gouvernantenkostüm, das sich so sehr von ihrer Freizeitkleidung unterscheidet. „Ach, Herr Brett,“ lächelt sie Pitt ins Gesicht, „Ihr neuer Dienstwagen steht bei der Fahrbereitschaft, sie können ihn abholen, wenn Sie wollen.“

Pitt begibt sich direkt in den Hof des Präsidiums zum Leiter der Fahrbereitschaft. „ Mensch Pitt, da hast Du ja den Vogel abgeschossen.“ Mit diesen Worten händigt ihm der Kollege den Wagenschlüssel aus und deutet auf den neuen Wagen. Es ist ein rosaroter, zweisitziger Smart. „ Sachma, datt meinze doch nich etwa ernst?“ blafft Pitt den Chef der Fahrbereitschaft an und ballt die Fäuste in der Hosentasche. „Doch, den hat Kriminalrat Schreiner höchstpersönlich für Dich bestellt. Viel Spaß mit deiner neuen Luxuskarosse…..“

Wutschnaubend verlässt Pitt den Hof und geht zurück in sein Büro. Als erster bekommt Harry seinen Unmut zu spüren. „Dieser verdammte Schreiner hat uns ein rollendes Handschuhfach verpasst, wir sollen unsere Observationen ab sofort in einem Smart machen. Wo ist eigentlich unser Schuhanzieher?“

„Komisch, als ich vorhin unten war, hat mir der Dienstwagenfuzzi den Schlüssel für einen neuen BMW verpasst, der liegt übrigens auf Deinem Tisch. Der Smart ist sicherlich nur ein Witz.“

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist die Wache der Wasserschutzpolizei im Duisburger Hafen. Pitt und Harry sollen sofort zur Wasserschutzpolizei kommen. Im Hafenbecken von Duisburg Homberg ist eine männliche Leiche angeschwemmt worden. Die beiden stürmen los. Im Hof stellt Pitt fest, dass der Schlüssel gar nicht auf den Smart passt. Als er einen bösen Blick auf das Büro der Fahrbereitschaft wirft, sieht er, dass die Kollegen der Abteilung sich von Lachen auf dem Boden rollen.

Der BMW-Schlüssel jedoch passt. Pitt lenkt den Wagen aus dem Hof des Präsidiums heraus und fährt dann in Richtung Ruhrort und auf dem kürzesten Weg zur Wache der Wasserschutzpolizei.

Der diensthabende Beamte begrüßt Pitt und Harry und bringt die beiden an den Anleger der vier in Duisburg stationierten Polizeiboote. Der Chef von WSP 12, Hauptkommissar Nikolaus, drückt den beiden die Hand und bittet sie an Bord. „Unsere Wespe 12 hier ist das schnellste Boot auf dem ganzen Rhein und wir sind in wenigen Minuten drüben in Homberg.“ Die beiden Motoren des Bootes heulen auf und WSP 12 ist auf dem Weg auf die andere Rheinseite. Unter der Homberger Rheinbrücke geht es durch und dann in die Einfahrt des Homberger Hafens. Dort liegen die beiden Schulschiffe, in denen der Nachwuchs für die Binnenschifffahrt ausgebildet wird. Gegenüber auf der anderen Seite des Hafenbeckens liegen die Schiffe der Wasser- und Schifffahrtsdirektion. Auf einem der Stege winken einige uniformierte Beamte und WSP 12 legt an diesem Steg an. Hauptkommissar Nikolaus springt von Bord, Pitt und Harry folgen ihm.

Der Gerichtsmediziner ist einige Minuten vor Pitt und Harry eingetroffen. „Also, Jungs, ein schöner Anblick ist das nicht. Und ich kann schon mal eines sagen, ertrunken ist der Mann hier nicht. Die haben eine halbe Munitionfabrik in den Kerl reingeschossen, ich zähle mindestens fünfzig Einschüsse. Das muss eine Maschinenpistole oder etwas Ähnliches gewesen sein.
Ich schätze den Mann so auf Mitte fünfzig, er dürfte seit etwa einem Tag tot sein. Näheres nach der Obduktion.“

Es ist wirklich kein schöner Anblick. Die Einschüsse sind deutlich zu erkennen, zumal die Leiche nackt in den Rhein geworfen wurde. Auf dem rechten Arm ist eine Tätowierung zu erkennen, ein weisses Kreuz auf rotem Grund. „Schon wieder eine Schweizer Flagge“ sagt Harry. Unter dem Kreuz steht in einer verschnörkelten Schrift der Name „Felix“.

Der Tot ist kein schöner Anblick. Das Gesicht ist durch eine größere Anzahkl von Schlägen mit einem schweren Gegenstand nicht mehr erkennbar, da der Tote unbekleidet ist, gibt es auch sonst keinen Hinweis auf die Herkunft. Die Täter haben ganze Arbeit geleistet und der Gerichtsmediziner wird viel Mühe haben, die Identität festzustellen.

Wieder im Büro angekommen rätseln Pitt und Harry über dem Fall und kommen nicht wirklich weiter.
Als das Telefon klingelt, ist Pitt froh über jede Abwechselung. Es ist der Gerichtsmediziner. „Kommt mal runter zu mir, ich habe Neuigkeiten für Euch. Ihr werdet staunen.“ -“Halte mich nicht hin, Doktor, sag was du von uns willst“ Pitt wird beinahe ungehalten.

„Nee, nee, Hauptkommissar Brett, schwing deine Hufe und komm in meinen Keller. Dein Gesicht will ich sehen, wenn Du erfährst, was ich habe.“ Der Doktor macht beinahe ein Geheimnis aus dem, was er festgestellt hat. Völlig verärgert ruft Pitt Harry und die beiden gehen in den Keller. „Ok, Doc, hier sind wir. Was hast Du?“

Der Gerichtsmediziner beginnt: „ In der Nähe von Rees, genz dicht beim dortigen Yachtclub, haben vor knapp zwei Stunden zwei Jungen, dioe mit ihrem Hund am Rhein spielen wollten,ein paar Schuhe gefunden. Nun, das kam denen erst nicht ungewöhnlich vor, das gibt es hin und wieder. Ein paar Meter weiter lag dann eine Anzughose und ein Hemd. Als die beiden dann aber auch noch das Sakko des Anzgs gefunden haben und einen kompletten Satz Unterwäsche ist denen das dann schon komisch vorgekommen. Der Haufen Patronenhülsen und der blutverschmierte Baseballschläger, den sie als nächstes fanden, hat die beiden dann dazu gebracht, die 110 anzurufen und Eure Kollegen sind dahin gefahren und haben dann wohl den Tatort gefunden, den unser kalter Freund hier in Schubfach drei dann auf dem Wasserweg verlassen hat. Ich habe mir den Kram sofort schicken lassen. Und hier ist sie, die Brieftasche Eures kalten Freundes hier.“

Der Doktor knallt Pitt eine elegante Brieftasche vor die Nase. Darin befindet sich ein Reisepass eines Schweizer Bürgers. Pitt öffnet den Pass und vor Staunen kriegt er den Mund nicht mehr zu.

Unter Inhaber steht dort: MOSER, RUDOLF FELIX.

„Wie bringe ich das nur Gabi bei?“

Ist der Tote wirklich der Moser?
Wie wird Gabi diese Neuigkeit verdauen?
Ist es für Schweizer bei uns wirklich so gefährlich?

Sonntag, 2. August 2009

Verhör der anderen Art

Nachdem Pitt seine eigenen Klamotten wieder angezogen hat, hieven er und Harry den bewusstlosen Hünen aufs Bett und fesseln ihn mit den Handschellen, die zuvor Gabriela gefangen hielten. Die Stichverletzung an der Schulter des Gorillas hat mittlerweile schon wieder aufgehört zu bluten.
„Da hast du aber den richtigen Nerv getroffen,“ meint Pitt zu Harry, „dass der Typ wie ein leerer Sack zusammen gefallen ist.“
„Zufall,“ entgegnet Harry, „ich hatte gar nicht die Zeit, um richtig zu zielen.“
„Ich hoffe nur, du hast den Schraubenzieher vorher desinfiziert, nicht, dass sich bei dem armen Kerl noch die Wunde entzündet.“
„Du mich auch,“ grient Harry, „bei deinem Fürsorgewahn wundert es mich eigentlich, dass du noch nicht mit einer Mund-zu-Mund Beatmung bei dem Schwein begonnen hast.“
Pitt verzieht angewidert das Gesicht. Plötzlich kommt Bewegung in den Hünen. Er schaut sich benommen um und richtet sich langsam auf. Er merkt, dass seine Hände auf dem Rücken gefesselt sind. Ein wütender Knurrlaut entfährt seiner Kehle. Er blickt auf und sieht die beiden Polizisten vor sich stehen. Seine Mundwinkel verziehen sich zu einem verächtlichen Lächeln. „Ach sieh an, Dick und Doof geben mir die Ehre,“ spuckt er den beiden förmlich vor die Füsse.
„Soso,“ erwidert Pitt, „der werte Herr Ganove ist auch wieder aus dem Nirvana zurück.“
„Pluster dich nicht so auf, Bulle, alleine hättest du keine Chance gegen mich gehabt. Nur weil dein Spezie mich von hinten überrascht hat, habt ihr mich gekriegt.“ Der Hüne schaut zu Harry. „Und du bist das Schosshündchen von dem da,“ er deutet mit dem Kopf in Richtung Pitt, „sag mal, geht ihr eigentlich auch zusammen aufs Klo, so wie die Weiber das machen?“ Er lacht leise. „Vielleicht liegt ihr sogar im selben Bett, was? Ihr seht nämlich nicht nur aus wie Schwuchteln, ihr kämpft auch so.“
Bevor Harry seine scharfe Bemerkung los wird sagt Pitt: „Gut, damit hätten wir den geselligen Teil mit einer gepflegten Konversation also erfolgreich hinter uns gebracht und können uns nun dem geschäftlichen Teil widmen.“ Pitt stellt sich vor den Gorilla und sagt zu ihm: „Dein Name ist Theo, wie ich gehört habe, aber wenn es dir lieber ist, kann ich dich auch Arschloch nennen.“
Der Angesprochene bricht in Gelächter aus. „Du solltest dein Glück als Komiker versuchen,“ sagt er grinsend, „ich finde dich ganz witzig.“
„Also raus mit der Sprache,“ führt Pitt das Verhör fort, „wie ist dein Nachname und vor allem, wer ist dein Boss?“
Der Brocken grinst nur hämisch und erwidert: „Weisst du was, Bulle? Leck mich am Arsch.“
In Pitt beginnt es langsam zu brodeln. „Hör zu, du asoziales Stück Scheisse, rück mit der Sprache raus, bevor ich dir die Fresse poliere.“
Der Gefesselte lächelt nur herablassend. „Ja genau. Du hast gar keinen Mumm in den Knochen um die Drohung wahr zu machen, du Würstchen. Du darfst mich gar nicht anfassen, sonst kriege ich dich dran wegen Körperverletzung und Übertretung deiner Kompetenzen.“ Er lacht laut und dreckig auf.
Harry nimmt Pitt zur Seite und sagt: „Hey Pitt, der Kerl hat leider recht, also beherrsche dich, wenn du nicht noch mehr Scherereien bekommen willst. Uns steht das Wasser sowieso schon bis zum Hals. Ich würde den Stück Abfall auch liebend gern in seine Einzelteile zerlegen, aber damit schaden wir nur uns selbst. Du bekommst nichts aus dem raus.“ Harry dreht sich um und sieht, wie der Hüne siegessicher grinst. Auch in Harry steigt die kalte Wut hoch. „Ich weiss, wie du dich fühlst, aber wir dürfen uns nicht zu unüberlegten Handlungen hinreissen lassen. Wir haben schneller ein internes Verfahren am Hals und unseren Job los, als wir Bulle sagen können.“
Pitt atmet ein paar Mal tief durch, um seinen Puls wieder auf normale Kadenz herunter und seine Nerven wieder unter Kontrolle zu bringen. In seinem Inneren tobt ein schrecklicher Kampf gegen den Schweinehund, der unbedingt raus gelassen werden will. Die Frustration der letzten Tage bräuchte dringend ein Ventil, das nun verlockend wehrlos auf dem Bett sitzt. Ihm ist bewusst, dass, wenn er sich jetzt gehen lässt und diese Type zusammen prügelt, er sich auf das selbe tiefe Niveau herunter lässt wie der Gefangene.


Ein Schrei lässt die beiden Polizisten erschrocken herum wirbeln. Sie sehen Gabriela breitbeinig vor dem Hünen stehen, der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Bett sitzt und Gabriela mit hasserfüllten Augen von unten herauf anfunkelt. Pitt und Harry eilen zu den beiden. Gabriela, die mittlerweile ihre Kleider gefunden und angezogen hat, hebt die Hand und sagt scharf: „Bleibt, wo ihr seid! Ich habe mit dem Kerl noch ein Hühnchen zu rupfen.“
Harry und Pitt bleiben stehen und wundern sich über das resolute Auftreten von Gabriela. Der Tonfall ihres Befehls lässt keinerlei Widerspruch zu. Eine Frau, die nicht nur sensationell aussieht, nein, sie hat auch Power ohne Ende, denkt sich Pitt. Ich merke, wie ich ihr immer mehr verfalle. Mit verträumtem Blick betrachtet er, wie Gabriela langsam die Hand hebt und sie zum rechten Ohr des Gorillas führt. Es hat den Anschein, als ob sie den Gefangenen streicheln will. Plötzlich zuckt ihr Arm ruckartig nach unten. Der Hüne schreit auf. Pitt und Harry sehen, wie Gabriela etwas weg wirft. Bei näherem Hinsehen erkennen sie einen Ohrring. Den hat Gabriela dem Verbrecher aus dem Ohr gerissen. Sie sagt ganz ruhig zu dem Gefesseltem: „Du hast noch einen weiteren an dem Ohr. Am anderen hast du auch noch zwei. Entweder du redest, oder ich mache mit der Demontage des Blechs weiter, du Schwein.“
„Hast du sie nicht mehr alle, du Schlampe?“ schreit der Hüne, „ich hätte dich vorher schon kaltstellen sollen.“
„Da warst du dreckige Sau damit beschäftigt, mein Gesicht abzulecken.“ Bei der Erinnerung daran hätte sich Gabriela am liebsten übergeben. Als sie wehrlos und halbnackt auf dem Bett lag, wurde sie mehrmals von dem Gorilla an den Beinen und am Bauch angefasst. Er beugte sich über sie, die linke Hand auf ihre nur durch den dünnen Büstenhalter geschützte Brust gelegt, und flüsterte ihr ins Ohr: „Wenn die Sache hier vorbei ist, dann haben wir zwei unheimlich viel Spass zusammen. Du willst es doch auch, nicht wahr Schätzchen? Du brauchst einen richtigen Mann zwischen den Beinen, stimmt doch?“
Gabriela versuchte sich weg zu winden doch die Fesseln, die sie am Bett hielten, waren straff gespannt, dass sie sich nicht bewegen konnte. Wenigstens konnte sie den Kopf zur Seite drehen, was ihr aber nichts nützte, weil die Pranke des Hünen brutal ihr Kinn packte und das Gesicht wieder mit einem Ruck zurück drehte. Sie spürte den stinkenden Atem ihres Peinigers auf ihrer Wange als er wieder sprach: „Du bist sicher schon ganz kribbelig auf mich und kannst es gar nicht mehr erwarten, dass ich dich so richtig nehme.“ Bei diesen Worten fuhr seine Hand von ihrem Busen langsam über ihren Bauch in Richtung ihres Slip. Die andere Hand hatte ihre Haare gepackt, damit sie den Kopf nicht wieder zur Seite drehen konnte. Und dann leckte er ihr mit der Zunge über die Wange bis hinauf zu den Augenbrauen. In dem Moment hörte Gabriela eine andere Stimme laut rufen: „Lass sie sofort in Ruhe, Theo, wir haben sie nicht zu deinem Privatvergnügen hier!“ Auch wenn es der Boss der Bande war, so war Gabriela doch froh und dankbar für sein Eingreifen gegen dieses Schwein Theo.
Die ganze Szene geht Gabriela durch den Kopf, als sie den nächsten Ring aus dem Ohr von Theo reisst. Dieser stampft vor Schmerz mit den Füssen auf. Ein schon beträchtliches Rinnsal von Blut läuft ihm mittlerweile am Hals herunter.
In dem Moment hören sie das sich schnell nähernde Geräusch von Sirenen in der Ferne.
„Nun kommt noch eure Verstärkung.“ sagt der Gorilla völlig cool, wobei er das Wort Verstärkung mit sehr viel Ironie betont.
Pitt, Harry und Gabriela wissen, dass sie nun wieder auf sich gestellt sind. Sie müssen den herbeieilenden Kollegen die seriösen und unwissenden Deppen vorspielen, um nicht ihren Boss Schneider stutzig zu machen. Sie wissen nicht, wer von der Verstärkung im Fall involviert ist und wer nicht. Gabriela ist dermassen frustriert, dass sie im Weggehen plötzlich eine blitzschnelle Drehung macht und mit ausgestrecktem Bein dem Gorilla mit einem hässlich knirschenden Geräusch die Nase bricht. Der Hüne knallt nach hinten aufs Bett wie ein gefällter Baum.
Als Gabriela die völlig verdutzten Gesichter von Harry und Pitt sieht meint sie lakonisch: „Ich trainiere ein wenig Karate. Wegen der Cellulitis, wisst ihr. Und jetzt könnt ihr euer Maul wieder schliessen, sonst fliegen die Fliegen rein.“
In dem Moment stürmen auch schon eine Handvoll Polizisten mit vorgehaltenen Waffen den Raum. In wenigen Minuten haben die drei dem Einsatzleiter ihre Version der Ereignisse dargelegt. Auf die Frage, warum der Klotz auf dem Bett so ein blutüberströmtes Gesicht hat meint Harry völlig ruhig: „Nachdem wir ihm die Handschellen angelegt hatten, ist er uns beim Hochheben leider ausgerutscht und voll auf das Gesicht geknallt.“ Ein lang gezogenes Ahaaaa ist die einzige Antwort, die er darauf erhält. Beim Verlassen des Tatortes fragt Gabriela: „Wie habt ihr zwei mich eigentlich so schnell gefunden?“
„Da kannst du dich bei Harry bedanken,“ antwortet Pitt, „als wir den Film der Entführer zum dritten Mal geschaut haben, ist ihm ein kleines Detail aufgefallen. Bei einem kurzen Schwenk der Kamera hat Harry einen kleinen Teil des Fensters gesehen, und in dem Ausschnitt sah man im Hintergrund den Schriftzug „Auf ewig Titanic-Werft“ an einer Kaimauer. Der Rest war dann ziemlich einfach.“
„Mann Harry,“ ruft Gabriela begeistert, „du bist einsame Spitze! Vielen Dank!“ Sie umarmt den überraschten Harry und drückt ihm einen dicken Kuss auf die Wange.
„Heee, das reicht,“ meint Pitt energisch, „und wo bleibt meiner?“
Gabriela dreht sich zu Pitt um und sagt: „Also gut, jetzt bist du ja wohl nüchtern,“ und küsst ihn innig auf die Lippen.
„Autsch!“ sagt Harry und dreht sich grinsend um.


Hat Pitt Grund zur Eifersucht?
Was passiert mit dem Gorilla?
Und hat der Hüne Geld für plastische Chirurgie?

Montag, 27. Juli 2009

Die Lagerhalle

Alles klar gegangen? fragte der vermummte Mann.
Ein Hüne von einem Mensch, fast zwei Meter groß und rund zweieinhalb Zentner schwer, nickte. "Die Wachen hier hatten nicht viel auf dem Kasten, waren ruckzuck überwältigt"
"Wo sind sie?"
"Aus dem Weg geschafft."
Der Vermummte mustert dast Gesicht mit der gebrochenen Nase, das Blumenkohlohr und die Zahnlücken. "Du machst gute Arbeit Theo."
Er beugt sich über Gabriela die gequält die Augen öffnet und anfängt zu schreien.
"Kommen Sie zu sich, wird höchste Zeit das Sie Pitt überreden, die Schnüffelei einzustellen."
"Nichts werde ich tun, Pitt wird mich hier schon ...." Weiter kommt sie nicht. Ihr wird der Atem abgeschnürt als der Vermummte ihr den Hals zudrückt.
"Genießen Sie etwa den Schmerz? Sie werden noch viel mehr zu spüren bekommen."

Einer der Männer des Vermummten kommt mit einem Funkgerät rein. "Der Posten an der Tür meldet, daß sich ein Auto nähert. Sollen wir ihm den Zutritt verwehren?"
"Laßt sie lieber herrein und stellt fest, wer es ist."

Okay, Pitt sagt Harry, aber was um himmels Willen willst Du hier, hier hausen höchsten Kanalratten. Wenn ich mich irre, dann ist die Spur zu Gabriela endgültig verschwunden, aber ich hoffe doch, daß sich Schimanski nicht geirrt hat.
"Wir werden sie finden" antwortet Harry.

Was haben wir denn an Waffen dabei?

Das Übliche antwortet Pitt, ich meinen alten 45er und Du mußt Dich mit dem Schraubenzieher hier begnügen. Harry verdreht die Augen und murmelt "War ja klar"

Beide werden von einem Posten angehalten. "Wie gehts der Kleinen?" fragt Pitt
"Der gehts gut" Der Posten bricht jäh ab , als Pitt ihm den Kolben seines Colts quer über die Stirn zieht, verdreht die Augen und sackt an der Tür zusammen.

Kaum ist der falsche Wachmann zu Boden gegangen, als die Beiden ihn zwischen die Baracken ziehen und sich im Pförtnerhaus umsehen. In einer Videoanlage sehen sie den Raum, indem Gabriela liegt. "Wir haben sie gefunden grunzt Harry und sie lebt.

"Wir müssen uns beeilen, die warten bestimmt auf Rückmeldung" antwortet Pitt und zieht sich die schwarze Kleidung des niedergeschlagenen Posten an. Zum Schluß zieht er die Skimaske über und schleicht aus dem Häuschen. "Es sind 4 Personen bei Gabriela, pass also gefälligts auf, habe keine Lust die da wieder raushauen zu müssen"

Pitt betritt ganz unbeachtet den Raum und spricht ganz leise "Sag dem Fetten, er soll Gabriela loslassen" "Was hast Du gesagt?" "Ich habe geagt, du sollst deinem Gorilla sagen, daß er seinen dreckigen Finger von dem Mädchen lassen soll" und zieht seine Skimaske herunter.

"Sie?" murmelt der Vermummte ungläubig. "Wartet! tötet ihn noch nicht"

"wenn Gabriela nicht sofort losgelassen wird, sind sie ein toter Mann"
Der Vermummte wirft Pitt einen belustigten Blick zu und fragt "wer denn, Sie etwa, Sie werden einen grauenvollen Tod erleiden"

Der Gorilla tritt einen Schritt vor und sagt "Es wäre mir eine große Ehre Chef, wenn ich mir diesen Hundesohn vornehmen dürfte" "Klar, ich habe nie an Deine Überzeugungskraft gezweifelt, er gehört Dir."

Der Gorilla dreht sich um und zuckt zusammen, Pitt hat ihm mit aller Gewalt zwischen die Beine getreten. Viel hat er aber nicht erreicht, denn der Gorilla schlägt Pitt die verschränkten Hände wie ein Schmiedehammer auf die Brust, was Pitt die Luft aus der Lunge treibt und ihn quer über den Tisch segeln läßt.

Pitt kämpft um sein Leben, aber er steht auf verlorenem Posten, wenn zwei gleichwertige Gegner gegenüberstehen, gewinnt der Größere. Der Gorilla zieht Pitt am Hals hoch und Pitt nimmt nur noch verschwommen war, wie Harry reinplatzt und den Schraubenzieher in den Nacken des Gorillas stößt. Pitt fällt auf den Boden, unfähig sich zu bewegen. Harry, der inzwischen Pitt´s Colt in den Händen hält, hat die Situation im Griff. Er richtet den Colt auf die Ganoven und zwingt sie die Waffen niederzulegen, als der Vermummt unglaublich schnell durch das Fenster springt und in der Dunkelheit verschwindet. In dem nun folgenden Durcheinander gelingt es den anderen Kidnappern ebenfalls zu fliehen.

Pitt rappelt sich hoch und befreit Gabriela von ihren Fesseln. Gabriela setzt sich auf und deutet auf den leblosen Gesellen. "Ist der Tod?" "Nein, noch nicht" antwortet Harry "habe ihn nur an der Schulter getroffen. Verhören können wir ihn im Moment zwar nicht, aber das kommt noch."

Gabriela fängt an zu weinen und Pitt drückt sie zärtlich an sich. "Ist ja schon gut Kleines und absofort trink ich nicht mehr." Höchstens die Hälfte vom Letzten mal denkt er sich. "Warum haben die dich gekidnappt?" "Die Formel ist weg, Vati hat mich in Verdacht, daß ich sie haben könnte" "und? hast Du sie"

"Nicht direkt, aber ich glaub ich weiß wo sie ist"

Hat Gabriela die Formel doch entwendet?
Müssen die vier Freunde jetzt erst recht um ihr Leben bangen?

Sonntag, 19. Juli 2009

Pitt und der Film


In seinem Büro in Duisburg sitzt Pitt nachdenklich hinter seinem Schreibtisch. „ Eine schweizer Fahne, schweizer Sprengstoff, ein schweizer Aufsichtsratsvorsitzender, die schweizer Armee, ein Sprengstoffanschlag in der Schweiz und der auf uns in Düsseldorf – wie passt das alles nur zusammen. Und, was haben das Klavier und der tote LKW-Fahrer damit zu tun?“
„ Ich kann mir dazu auch noch keinen Reim machen“, meint Harry.
Kriminalrat Schreiner hat die beiden seit einigen Tagen in Ruhe gelassen. Der Bericht, den Pitt und Harry eingereicht haben und der den beiden Beamten absolute Ratlosigkeit bescheinigt, scheint den Kriminalrat beruhigt zu haben. In dem Bericht steht aber auch wirklich nichts über die Ermittlungsergebnisse drin und das sonst so erfolgreiche Ermittlungsteam wirkt für den Leser des Berichtes eher unfähig.
Ja, früher, da war das alles ganz anders. Pitt denkt an die Zeit zurück, wo er in einer kleinen Dienststelle im Osten Deutschlands mit der Aufklärung diverser Juwelendiebstähle und Überfälle auf Juwelierläden beschäftigt war. Als junger Kommissar, frisch vom Laufbahnlehrgang, gelang es ihn in kurzer Zeit den Fall aufzuklären und die Juwelenbande, die sich „Kathrin und Crew“ nannte in eine Falle zu locken und festzunehmen. Erstaunlich war, dass diese Bande ihre Diebstähle und Überfälle unbewaffnet und mit ausgewählter Höflichkeit und Respekt vor den Opfern begangen hatte. Die ganze Beute, Juwelen und Uhren im Wert von 30 Millionen Euro konnte damals sichergestellt werden und Pitt flog die Karriereleiter empor. Als Hauptkommissar wurde er dann nach Duisburg versetzt, da sein Vorgänger an diesem Platz den Polizeidienst quittiert hatte. In der oberen Schublade von Pitts Schreibtisch liegt heute noch ein Paket Visitenkarten seines Vorgängers. Horst Schimanski, Kriminalhauptkommissar steht auf diesen Karten.
Harry verlässt das Büro und kommt kurz darauf mit zwei Bechern Kaffee zurück, die aus dem Automaten auf dem Flur des Präsidiums geholt hat. Der schmeckt zwar nicht wirklich, aber er ist heiß und eine gelungene Ablenkung.
„Ich muss Gabriela anrufen und um Verzeihung bitten“ denkt Pitt „Sie wird sicherlich Verständnis dafür haben, dass ich mich nach dem feigen Anschlag auf Harry und mich so habe vollaufen lassen“
Er greift zum Telefon und wählt Gabrielas Nummer. Sie meldet sich nicht und ist auch auf ihrem Handy nicht erreichbar. „ Sicher ist sie noch sauer, ich war aber auch so was von blöd…..“
Da klingelt das Telefon. Pitt meldet sich.“ Hier Brett, was gibt´s“ – Hauptmeister Murkelmann hier, wissen Sie, von der Hauptpforte. Hier ist ein Fahrradkurier, der ein Paket für Sie hat. Kommen Sie es holen? Der Kurier will es nur Ihnen persönlich geben“
„Nein, bringen Sie es rauf und den Kurier direkt mit, wenn er mir selbst geben will.“
Fünf Minuten später steht der uniformierte Beamte von der Pforte zusammen mit dem Kurier im Büro von Pitt und Harry. Es ist ein seltsames Bild, der Beamte in seiner korrekten Uniform neben dem Fahrradkurier in seiner engen Radlerhose, dem gelben Fahrradtrikot und dem Fahrradhelm.
Pitt unterschreibt für das Paket, drückt dem Kurier fünfzig Cent Trinkgeld in die Hand und will das Paket öffnen.
„ Danke für diese Großzügigkeit. Davon lade ich meine Freundin heute Abend groß zum Essen ein. Drei bis vier einzelne Pommes kriegen wir dafür bestimmt!“ murrt der Kurier und verlässt schimpfend das Büro.
„Mal sehen, was das hier ist.“ Pitt reißt das Paket auf. In einem Schuhkarton findet Pitt unter einer großem Menge von Zeitungsschnipseln eine CD-Hülle und in dieser liegt eine CD.
Pitt holt sein Laptop aus der Schreibtischschublade und legt die CD ein, nachdem er das Gerät eingeschaltet und hochgefahren hat. Auf der CD befindet sich ein kleiner Film. Pitt startet die Wiedergabe.
Ein Gruß für Pitt Brett ist der Titel des Films, und die ersten Minuten zeigen Bilder aus dem Berner Oberland. Einige dieser Orte kennt Pitt seit seinem Besuch bei Kurt. Als Hintergrundmusik ist die Musik einer Alphornbläsergruppe zu hören.
„Sicher singt gleich noch irgend so ein Alpenheinz das Lied der Berge“ sagt Pitt genervt.
Da wechseln plötzlich die Bilder – Pitt sieht jetzt den brennenden Dienstwagen im Parkhaus des Düsseldorfer Flughafens. Er sieht sich und Harry auf dem Boden kauern. Eine vom Computer verfremdete Stimme beginnt zu sprechen.
„Na, Brett, hast Du noch nicht genug? Hat dir das noch nicht gereicht?“ Pitt schluckt und winkt Harry heran.
„Glaube nicht, dass das schon Alles war, was wir Dir zu bieten haben, wenn Du nicht die Finger aus dieser Sache heraushältst. Sprengstoff haben wir noch genug, wie Du ja bereits gehört hast und vielleicht liegen ja schon unsere Überraschungspakete in deiner oder Nagels Wohnung. Oder in der Eckkneipe, wo du nach Feierabend rumhängst. Oder unter Deinem Schreibtischstuhl? Na, schon nachgeschaut?
Oder in der Wohnung dieses schweizerischen Schnüfflers, mit dem Du dich so angefreundet hast?
Wir sitzen in jedem Fall am längeren Hebel.“ Im Film erscheint eine Aufnahme von Kurts lächelndem Gesicht. Ganz langsam wird ein Fadenkreuz eingeblendet, dessen Mitte auf Kurts Stirn zeigt. Die Stimme lacht laut und durch die elektronische Verzerrung klingt das Lachen sehr metallisch.
„Ach ja, was Du noch wissen musst, wir haben Dir etwas weggenommen, was Du sicher wiederhaben möchtest.“ Pitt fällt auf, dass die Stimme zwar stark verfremdet ist, der schweizer Akzent ist aber nicht zu überhören.
„ Keine Angst, du bekommst es zurück! Nur wann oder ob es am Stück oder in vielen kleinen Einzelteilen sein wird, das entscheidest Du allein!“ Die Stimme beginnt zu lachen und Pitt laufen eiskalte Schauer über den Rücken.
"Wir melden uns bald bei Dir. Und solange hältst Du das Maul, klar?"
Auf dem Bildschirm ist ein Bett zu sehen, auf dem eine nur mit Höschen und BH bekleidete junge Frau zu sehen ist, die mit verbundenen Augen an das Bett gefesselt ist. Wieder beginnt Musik zu spielen. Dieses Mal ist es „Highway to Hell" von AC/DC. Die Kamera schwenkt auf den Kopf und zoomt in das Gesicht der jungen Frau.
„Ihr Schweine“ brüllt Pitt. Die Frau in dem Film ist Gabriela, seine Gabriela.

Von wem kommt der Film?
Woher wissen die Alles?
Wie kommt Gabriela in die Hände der Verbrecher?